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Antikapitalistisches Tanzamusement
Bremen Am 02.02.2008 tanzten vierzehn adrett gekleidete “Superflus” aus Paris Wiener Walzer im ‘Goldenen Hirsch’, einem eher noblen Restaurant im Ostertorsteinviertel. Zu Edith Piaf ließen sie sich das Essen der Yuppies schmecken, kosteten ihre Getränke und rauchten ihre Zigaretten. In Kleidern und Anzügen, versteckt hinter galanten Masken, eigneten sie sich partikular ein wenig von dem Luxus an, der dem Großteil der Menschen nicht zugänglich ist.
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Nach einigen Stücken Kuchen, Bratkartoffeln, etwas Salat, dazu Bier, Kaffee, Orangensaft und zwei wunderbaren Walzern verschwanden sie ebenso plötzlich wie sie erschienen waren. Ihr antikapitalistisches Tanzamusement beendeten sie mit der selbstbewussten Ansage: “Wir bereuen nichts!”
Dabei verteilten sie Flugblätter:
Ein netter Abend mit FreundInnen: umsonst
Ein geklautes Kleid: umsonst
Tanzbare Musik aus dem Internet: umsonst
Ein Essen im Goldenen Hirsch: unbezahlbar?
Wir haben Hunger und Durst und wir wollen tanzen. Wir können und wollen nichts dafür bezahlen. Wir sind von dem gesellschaftlichem Reichtum ausgeschlossen. Wir stehen für Hartz IV-EmpfängerInnen und prekär Beschäftigte, Flüchtlinge, allein erziehende Frauen und Männer, Kranke, Alte; Menschen, die in diesem profitorientiertem, sozial ausgrenzendem System überflüssig sind. Doch wir lassen uns nicht mehr abspeisen mit dem abgeschmackten Versprechen künftiger Teilhabe am gesellschaftlichen Reichtum. Wir sind zuversichtlich, uns diesen Reichtum bald gänzlich anzueignen. Und wir fangen jetzt damit an.
Luxus für alle!
Ein Menü im Goldenen Hirsch:
Vorspeise: Salatteller der Saison 8,50 €
Hauptspeise: Pfeffersteak 13,50 €
Dessert: Apfelstrudel 4,50 €
Getränk: Jever (groß) 3,40 €
Summe: 29,90 €
Hartz IV-EmpfängerInnen, Flüchtlinge und viele weitere Menschen werden sich ein solches Menü kaum leisten können. Der Arbeitlosengeld II-Regelsatz liegt zur Zeit bei 345 € monatlich, wobei 130 € für Lebensmittel und Getränke angedacht sind. Somit hat ein Hartz IV-Empfänger nur 4,30 € am Tag, um sich Essen und Trinken zu kaufen. Noch weniger Geld steht Flüchtlingen, die in Deutschland Asyl beantragt haben, zur Verfügung. Gerade mal 70 % des ALG II-Regelsatzes werden Flüchtlingen zugeteilt, wobei ein Großteil dessen in Gutscheinen und somit nicht frei verfügbar ausgehändigt wird. Für euch scheint es normal zu sein, in einem Restaurant essen zu gehen; Für viele andere Menschen ist es Luxus. Wir fordern, dass Luxus für alle Menschen frei zugänglich ist.
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